Liebhabereitest für PV ohne Finanzamt

Ein PV-Betreiber, der seine PV-Anlage ohne Gewinnerzielungsabsicht – und somit ohne Finanzamt bzw. Ertragssteuer – betreiben will hat mich auf die PV-Broschüre der Finanzämter in Baden-Württemberg hingewiesen. Die Broschüre enthält auf Seite 12 einen sogenannten Liebhabereitest mit einer stark vereinfachten Berechnung. Immerhin greifen die Finanzämter in BW die Tatsache auf, dass aufgrund der stark gesunkenen Einspeisevergütung nicht mehr regelmäßig von einem Totalgewinn auszugehen ist!

Ich zitiere:

Bei den Anlagen, die bis zum Jahr 2009 installiert wurden, liegt ein solcher (Total-)Gewinn in der Regel vor. Denn bei einer Einspeisevergütung, die (je nach Leistung der Photovoltaikanlage) zwischen 0,33 € und 0,43 € liegt, wird es – abgesehen von langfristiger Vollfinanzierung – regelmäßig zu einem Totalgewinn kommen. Durch die fortlaufende Absenkung der Einspeisevergütung für ab dem 1. Juli 2010 in Betrieb gegangene Anlagen kann künftig auch Fällen mit geringerem Fremdfinanzierungsanteil die Gewinnerzielungsabsicht fehlen. In diesem Fall werden einkommensteuerlich weder Einnahmen noch Ausgaben berücksichtigt. (Seite 8)

Bei den Einnahmen ist auch die Entnahme des selbstverbrauchten Stroms anzusetzen. Der Steuerpflichtige kann sie typisierend mit 0,20 €/ kWh bewerten oder seine tatsächlichen Kosten nachweisen. Aufgrund der stetig fallenden Anschaffungskosten für Photovoltaikanlagen und den geringen Finanzierungskosten wird der Teilwert des selbstverbrauchten Stroms wohl künftig unter dem Betrag von 0,20 € netto liegen. (Seite 9)

Im Beispiel für den Liebhabereitest wurde leider kein Anteil für Eigenverbrauch dargestellt, ausserdem fehlen z. B. sämtliche Kosten für den laufenden Betrieb der Anlage.

Unter Exceltool ist faktisch genau so ein „Liebhabereitest“, der aber wesentlich genauer die tatsächlichen Verhältnisse einer aktuellen PV-Anlage berücksichtigt.

Bitte beachten Sie zu diesem Beitrag auch die Texte unter http://sonnenkraft-freising.de/blog/pv-ohne-finanzamt-excel-formulargenerator-pressemitteilung/, die nach wie vor Gültigkeit haben. Da die Einspeisevergütung ab Feb. 2017 um voraussichtlich +1,5% steigt, wird der Nachweis der Liebhaberei tendenziell schwieriger: für sehr einfache und preiswerte Anlagen wird zukünftig wieder vermehrt auch ein steuerlicher Totalgewinn – und somit Ertragssteuerpflicht – zu erwarten sein. Wer das nicht möchte, sollte auf jeden Fall sehr hochwertig bauen (z. B. Hochleistungsmodule, Glas-Glas-Module, ggf. kombinierte Speicher-Wechselrichter etc.) und auf eine dem Gebäude angemessene ästhetische Gestaltung (z. B. schwarze Module, Indachanlagen etc.) wert legen. Mit dem Exceltool läßt sich schon im Vorfeld abschätzen, ob je nach Investitionskosten ein steuerlicher Totalgewinn zu erwarten ist oder nicht.

Finanziell rechnen werden sich die allermeisten Anlagen für den Eigenverbrauchs-Betreiber durch die Einsparung der vermiedenen Strombezugskosten auf jeden Fall weiterhin. Gut, dass Einsparungen nicht versteuert werden müssen! 🙂

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4 Kommentare zu “Liebhabereitest für PV ohne Finanzamt
  1. Fred Bost sagt:

    Was mir unklar ist:
    Wenn meine Anlage als Liebhaberei eingestuft wird, welche Vergütung für die Einspeisung erhalte ich dann vom Netzbetreiber:

    A) 12,31 c/kWh + 19% = 14,6489 c/kWh
    die ich dann komplett behalten darf?

    oder nur
    B) 12,31 c/kWh

    • admin-aho sagt:

      Der Begriff „Liebhaberei“ gehört nur (!) zur Ertragssteuer.
      Der Netzbetreiber zahlt die 19% Mehrwertsteuer NUR dann, wenn man bei der Umsatzsteuer die „Regelbesteuerung“ gewählt hat. Die vom Netzbetreiber erhaltene Mehrwertsteuer MUSS an das Finanzamt abgeführt werden, ist bei der Einspeisevergütung also nur ein Durchlaufposten.
      Bitte Umsatz- und Ertragssteuer IMMER ganz sauber getrennt halten!

  2. Bernd sagt:

    Ist die Ust. auf unentgeltlische Wertentnahme auch nur ein Durchlaufposten?
    Diese erscheint doch später bei den Ausgaben für die Est. wieder…

    • admin-aho sagt:

      In der Firmenkasse der „Solarstromfirma“ ist es ein Durchlaufposten:
      * von der privaten Tasche in die Firmenkasse (Einnahme der Firma von privat)
      * von der Firmenkasse ans Finanzamt (Ausgabe der Firma ans Finanzamt)

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