PV ohne Finanzamt – Excel-Formulargenerator

WICHTIGER HINWEIS: BEI FRAGEN BITTE auf Seite „Häufige Fragen (FAQ)“ nachsehen und hier ggf. per Kommentar öffentlich nachfragen! (Das hilft allen weiter!)

(PRESSEMITTEILUNG vom 04.08.2015)

PV-Betreiber als Unternehmer: Gewerbliches Einkommen oder Liebhaberei?

Durch die überzogenen Absenkungen der EEG-Vergütung ist der gewerbliche Betrieb von PV-Anlagen oft nicht mehr wirtschaftlich. Dies beweist der dramatische Rückgang des PV-Zubaus um -80% in den letzten beiden Jahren. Die private Nutzung des PV-Stroms als Eigenverbrauch spart jedoch Stromkosten, so dass private PV-Anlagen weiterhin finanziell sehr attraktiv sind und insbesondere vor steigenden Strompreisen schützen. Dass der gewerbliche Teil der Stromerzeugung in vielen Fällen keinen Totalgewinn mehr erwarten lässt, eröffnet eine neue Freiheit: die Realisierung der PV-Anlage ohne Finanzamt! Für Bürgerinnen und Bürger wird die Solarstromerzeugung dadurch noch einfacher, denn der lästige Aufwand mit den Steuererklärungen lässt sich bei geschickter Planung drastisch vereinfachen oder ganz vermeiden. Während derzeit noch viele Solarfachbetriebe falsch beraten und Finanzämter PV-Betreiber ertragsteuerlich falsch einstufen hilft der Verein Sonnenkraft Freising mit einem Excel-Formulargenerator zur Anzeige der PV-Anlage beim Finanzamt.

Solarstrom vom eigenen Dach ist mit Herstellkosten von rund 15 Ct/kWh deutlich billiger, als der Haushaltstromtarif des Energieversorgers von oft über 25 Ct/kWh (jeweils brutto, Stand Juli 2015). Das macht die Eigenversorgung aus Photovoltaik (PV) auf dem Eigenheim attraktiv. PV-Anlagen auf typischen Einfamilienhäusern, Doppel- und Reihenhäusern sind in der Regel kleiner als 10 kWp, so dass dort auch keine EEG-Umlage für den Eigenverbrauch zu zahlen ist. Beim Eigenverbrauch aus kleinen, privaten PV-Anlagen kann also eine Einsparung von über 10 Ct/kWh erreicht werden. Mit zukünftig steigenden Strompreisen wird diese Einsparung jährlich größer, wenn die Investition abgeschlossen ist.

Der Stromüberschuss, der selbst nicht verbraucht werden kann, wird – voraussichtlich über 20 Jahre – an den Netzbetreiber geliefert und von diesem mit dem Einspeisetarif nach EEG vergütet. Doch nach den EEG-Novellen der Bundesregierung ist diese Einspeisevergütung in vielen Fällen bei privaten Kleinanlagen nicht mehr kostendeckend: die Gestehungskosten für den Solarstrom betragen einschließlich Investition, Finanzierung, Wartungs- und Reparaturkosten über 20 Jahre häufig ca. 13 Ct/kWh (netto) bzw. ca. 15 Ct/kWh (brutto). Die Einspeisevergütung beträgt aber im Juli 2015 nur noch 12,37 Ct/kWh (Anlagen bis 10 kWp, netto). Die Differenz aus Vergütung und Gestehungskosten ist negativ, wenn mit typisch rund -1 Ct/kWh auch nur geringfügig. Da Einspeisetarif und Gestehungskosten (weitgehend) feststehen, wenn die Anlagen gebaut ist, ist die (kleine) Deckungslücke gut prognostizierbar. PV-Betreiber, die heute eine PV-Anlage errichten, Überschüsse ins Netz einspeisen – und somit Strom für alle Verbraucher billiger machen („Merit Order Effekt“) – verdienen an den Überschüssen nichts! Im Gegenteil: sie geben den Strom der Allgemeinheit billiger her, als sie selbst dafür zahlen.

Im Gegensatz zur früher üblichen Volleinspeisung ins Netz ist heute für die Wirtschaftlichkeitsprognose einer PV-Anlage komplexer. Einerseits ist die „gewerbliche Stromlieferung“ an den Netzbetreiber zu berücksichtigen, und andererseits die „private Stromkosteneinsparung“. Der finanzielle Vorteil aus den eingesparten Stromkosten von anfangs ca. 10 Ct/kWh überwiegt die Verluste aus der Stromlieferung an den Netzbetreiber häufig bei weitem, so dass sich die Investition in eine private PV-Anlage nach wie vor als finanziell sehr attraktiv darstellt. Die „Gesamtrendite“ hängt dabei natürlich stark von den zukünftigen Strompreisanstiegen ab: je höher die Differenz aus den Haushaltsstrompreisen und den Gestehungskosten wird, desto höher die Einsparung. Die tatsächliche Rendite vorherzusagen ist deutlich schwieriger als früher, da sich die (eingesparten) Haushaltsstrompreise und die Eigenverbrauchsquote durch geändertes Verbrauchsverhalten, Elektromobilität und Stromspeicher ändern können und auch noch ggf. die Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch in Abhängigkeit von der Umsatzsteuerwahl zu berechnen ist. Zahlreiche Berechnungsbeispiele zeigen, dass die „Rendite“ durchaus im hohen einstelligen Prozentbereich liegen kann. Photovoltaik kann in Zeiten der Finanzkrise als sichere Sachwertanlage betrachtet werden, denn Strom wird zu allen Zeiten gebraucht.

Der Verein Sonnenkraft Freising e. V. möchte zukünftigen PV-Betreibern die Auseinandersetzung mit dem Steuerthema und dem Finanzamt erleichtern stellt nun einen Excel-Fromulargenerator zur Verfügung, mit dem die PV-Gestehungskosten berechnet werden können. Wenn diese höher sind, als der Einspeisetarif (und sofern der Strom nicht auch anderweitig mit Gewinn an Dritte verkauft wird), wird die PV-Anlage aus steuerlicher Sicht keinen Totalgewinn erzielen. Eine Gewinnerzielungsabsicht aus dem Verkauf des Stroms an den Netzbetreiber ist somit zu verneinen, die Anlage muss vom Finanzamt steuerlich als „Liebhaberei“ eingestuft werden und ist ertragssteuerlich somit nicht relevant. Somit sind keine „Einnahmen-Überschuss-“ bzw. „Gewinn-/Verlust-Rechnungen“ zu erstellen und für das PV-Unternehmen muss keine Anlage GSE bei der Einkommensteuererklärung abgegeben werden.

Auch wenn kein Gewinn mit dem Verkauf des Stroms erzielt wird, wird der PV-Betreiber Unternehmer: „Unternehmer ist, wer eine gewerbliche (…) Tätigkeit selbständig ausübt. (…) Gewerblich (…) ist jede nachhaltige [Anm.: dauerhafte] Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen (…)“ (UStG. §2 Abs. 1). Somit unterliegt der PV-Betreiber generell der Umsatzsteuerpflicht – allerdings werden PV-Betreiber (die sonst KEIN Unternehmer sein dürfen!) in der Regel „Kleinunternehmer“ (Umsatz kleiner als 17.500 Euro pro Jahr) und können daher bezüglich der Umsatzsteuer wählen, ob sie als Kleinunternehmer (ohne Vorsteuererstattung bzw. Umsatzsteuerpflicht) eingestuft werde oder zum Umsatzsteuer „optieren“ wollen. An diese Wahl ist der PV-Betreiber 5 (Kalender-)Jahre gebunden. Achtung: der Korrekturzeitraum für die Umsatzsteuerrückabwicklung ist 5 monatsgenaue Jahre, es macht also Sinn, ggf. sicherheitshalber erst im 7. Kalenderjahr zur Kleinunternehmerregelung zurück zu wechseln, falls man anfangs zur Umsatzsteuer optiert hat.

Wenn die zukünftigen PV-Betreiber alle Angaben im Exceltool eingetragen haben, kann das Formular ausgedruckt und ggf. dem Finanzamt übermittelt werden – sofern mit dem PV-Betrieb kein Gewinn erzielt wird. Wer zur Umsatzsteuer optiert, muss dies innerhalb der vorgeschriebenen Fristen ans Finanzamt melden. Wer mit der PV-Anlage ganz „frei“ vom Finanzamt sein will und weder Gewinn macht, noch von der Vorsteuererstattung Gebrauch machen will, kann das Formular als „Anzeige“ an das Finanzamt ggf. erst mit der nächsten Steuererklärung einreichen oder das Formular zur eigenen Absicherung einfach zu den Unterlagen nehmen.

Solarstromanlagen bis 10 kWp mit Eigenverbrauch sind in aller Regel finanziell höchst attraktiv. Der Solarstrom vom eigenen Dach kann als wichtiger Baustein für die Altersvorsorge angesehen werden. Wichtig ist eine gute Qualität der Komponenten und einwandfreie handwerkliche Verarbeitung von einem seriösen Solarfachbetrieb. Denn je länger die PV-Anlage gute Erträge bringt – 30, 40 Jahre oder mehr – desto höher die Strompreiseinsparungen. Nach Erfahrungen des Vereins Sonnenkraft Freising wurden in den vergangenen Monate so manche PV-Anlagen nicht gebaut, weil Eigenheimbesitzer den bürokratischen Aufwand gescheut haben. Der Verein zeigt, dass dieser gar nicht erforderlich ist und Solarstromanlagen unbürokratisch auch „ohne Finanzamt“ realisiert werden können.

Nachtrag am 21.01.2016:

Das Thema „Photovoltaik ohne Finanzamt“ wurde am 19. Januar 2016 in der Sendung von Frank Farenski in „Leben mit der Energiewende TV“ erläutert und im Livestream übertragen. Eine Aufzeichnung ist in Youtube verfügbar!

ANLAGEN:

Mitglieder des Vereins Sonnenkraft Freising (oder sonstiger Solarvereine und -Verbände, z. B. www.solarinitiativen.de; SFV, DSC, DGS…) erhalten die Exceltabelle kostenlos. (Bitte geben Sie in der Email den Verein mit Homepage und Ihrer Mitgliedsnummer an. Der Regel-Jahresbeitrag bei Sonnenkraft Freising kostet 30,- €, 50% Ermäßigung für Studenten, Rentner, Mitglieder anderer Vereine etc.). Nur zur privaten Nutzung. Bzgl. gewerbl. Nutzung bitte anfragen.

Wir bitten um eine zusätzliche Spende für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Sonnenkraft Freising e. V. – diese können Sie ebenfalls komfortabel im Webshop buchen! Der Verein Sonnenkraft Freising e. V. ist vom Finanzamt Freising als besonders förderungswürdig anerkannt. Spenden an den Verein sind somit steuerlich abzugsfähig. Bei Beträgen bis 100,- € genügt für’s Finanzamt der Überweisungsbeleg.

Der Verein Sonnenkraft Freising e. V. engagiert sich seit 1989 für die Energiewende. Themen waren von Anfang an die Elektromobilität – bereits in den 90er Jahren wurde hier zahlreiche Solarmobil-Rundfahrten in Bayern organisiert. Der Verein führte Selbstbaukurse für Solarthermie und Photovoltaik durch und gründete mit dem Bund der Energieverbraucher die „Erste Deutsche Solarschule“, die zahlreiche Solarteure ausbildete und den ersten „Lehrplan“ für Solarthermie und Photovoltaik erarbeitete. In Zusammenarbeit mit dem Solarenergieförderverein Aachen (SFV) konnte der Verein im Jahr 1993 die erste Photovoltaikanlage Deutschlands mit „kostendeckender Vergütung (kV)“ – dem Vorläufermodell für das EEG – realisieren. Der Verein erhielt für sein Engagement um die Solarförderung die „Bayerische Verdienstmedaille“. Der Verein initiierte zahlreiche Bürgersolaranlagen, förderte Autofahren mit Pflanzenöl, ist Initiator und Mitgründer der „Solarregion Freisinger Land“. Zahlreiche Aktive sind als Experten für Erneuerbare Energien überregional z. B. durch Vorträge bekannt. Der Verein hat maßgeblich zur Gründung der erfolgreichen Bürgerenergiegenossenschaft Freisinger Land beigetragen.

 

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13 commenti su “PV ohne Finanzamt – Excel-Formulargenerator
  1. admin-aho sagt:

    BUGFIX (02. September 2015)

    Die erste ausgelieferte Version des Excel-Formulargenerators: SDR_PV-TOOLS_WiBe_1V0_150806_Finanzamt.xlsx
    enthielt einen Bug, der im Zeitraum zwischen dem 21. und 30. Jahr die privaten Stromkosteneinsparungen stark verringert hatte. Dadurch wurde die Rendite zu gering angegeben. Im für das Finanzamt relevanten Zeitraum bis zum Jahr 20 hat sich der Fehler nicht ausgewirkt.

    BUGFIX: SDR_PV-TOOLS_WiBe_1V1_150902_Finanzamt.xlsm am 02. September 2015
    * Fehlerbehebung
    * Ergänzung mit zwei kleinen Makros, die für die Betriebskosten sinnvolle Vorgaben machen, sowie den Grenzpreis suchen, bei dem die Einspeisevergütung genauso hoch ist, wie die PV-Stromgestehungskosten. Für „PV ohne Finanzamt“ muss die PV-Anlage teurer sein. Als „Liebhaber-Anlage“ kann die Module mit hochwertigeren und ästhetisch schöneren Modulen ausgestattet werden (z. B. Glas-Glas-Module oder schwarze Rahmen), die Anlage kann auch komfortabler ausgestattet werden mit sinnigem Zubehör wie Home Manager (zur Anlagenüberwachung, Verbrauchssenkung und Eigenverbrauchsoptimierung) oder Stromspeichern (nach Möglichkeit mit Notstromfunktion!).
    * Neue Reihenfolge der Seiten: Seite 1 mit Dateneingabe und Berechnung der Stromgestehungskosten, Seite 2 mit Angaben über Gewinn/Verlust, private Einsparungen und Rendite, Seite 3 das entsprechende Formular für das Finanzamt und Seite 4 weiterhin mit den Nutzungshinweisen.
    Achtung! Trotz Bugfix übernehmen wir keine Gewähr für die korrekte Funktion des Programmes. Fragen Sie ggf. Ihren Steuerberater.

  2. admin-aho sagt:

    Neue Version vom 23. Sept. 2015: Kleine optische Verbesserungen (dank Feedback von Patrick K.).
    Bitte senden Sie uns Ihre Erfahrungen mit dem Excel-Formular und nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion!

  3. Alexander Fühl sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ich bin betreiber einer kleinen PV-Anlage mit 4,685 kWp können sie mir bitte Exceltabelle zukommen lassen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Fühl

  4. admin-aho sagt:

    Sehr guter Artikel zum Thema von Thomas Seltmann in der DGS-Zeitschrift Sonnenenergie: http://www.sonnenenergie.de/index.php?id=30&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=344

  5. Djameldin sagt:

    Danke, der Artikel spricht mir aus dem Herzen! Ich fürchte, dass aber nicht nur das Wirtschaftssytem zu diesem „immer Mehr und immer Schneller“ führt, sondern dass es nur das – für die meisten vermutlich unbewusste – Verhaltensmuster „Ich hab noch nicht genug! Ich brauch mehr! Mir läuft die Zeit davon!“ widerspiegelt. Schon als Kinder werden wir gründlich verdroben, damit wir später mal gute Rädchen im Getriebe abgeben (angpasste, fleißige, manipulierbare Hamster, die von sich aus brav laufen und gern noch eine Extrarunde drehen für eine geheucheltes Lob des Chefs). „Wer rastet, rostet! Zeit ist Geld! Erst Arbeit, dann das Vergnügen!“ – diese famosen Weisheiten unserer Eltern und Lehrer (und deren Eltern und Lehrer), zusammen mit einem bewusst forciertem immer währendem Konkurenzkampf schon im Kindesalter führen dazu, dass kaum noch ein Mensch ruhen kann – im wahrsten Sinn des Wortes – das Nervensystem ist so aufgeputscht und im Dauerstress (auch tief verinnerlichten Gefühl des nicht Gut-Genug-Seins), dass es nicht mehr zu einem langsamen Ruhezustand findet. Dass sich die Meschen nach Ruhe und Einkehr sehnen, ist zwar vermutlich die tiefere Wahrheit (das Nervernsystem wünscht sich das sehr), aber für die meisten eher beängstigend (weil sie nicht mehr wissen, wie das geht). Nicht mal im Urlaub können wir ruhen, sondern müssen uns in Daueraktivitäten stürzen, dürfen wir keinen Zeit verlieren. Zeit ist Geld (eine Lüge)! Und Geld ist nicht Zeit! Das merken viele erst, wenn die Zeit abzulaufen droht und auch das viele Geld auf der Bank mir nicht mehr Zeit geben wird. Und die Gier nach mehr (nach Erfüllung in der Zukunft – wenn ich mehr Besitz, mehr Ansehen, mehr Erfolg habe) fällt nicht so leicht weg, sondern erst, wenn man erkennt, dass man einer Lüge, einem Phantom nachläuft. Wie beim Esel, dem man eine Karotte an einer Schnur hinhält. Wie viel braucht ein Mensch, um glücklich zu sein? Haben Millionäre genug (nicht von außen betrachtet, sondern in ihrer eigenen Wahrnehmung – ein reiches, erfülltes Leben – ein Leben im Überfluss, das ohne Angst gibt und sich an nichts festklammert)? Oder muss man immer noch mehr haben (vielleicht müssen erst Milliarden her, dann wird es reichen)? Oder muss ich der Beste werden (wie verrückt, aber das wird uns allen eingepflanzt), egal auf welchem Gebiet – immer der Beste? Dabei ist es so schön, mittelmäßig zu sein, faul zu sein, Spaß zu haben, zu Spielen, einfach zu leben. Aber das wird uns mit aller Gewalt abtrainiert (kleine Kinder wissen es noch)! Ich fürchte, dass diese Muster und ihr Wahnsinn müssen erst auf breiterer Front erkannt werden, damit sich auch an der Ausbeutung der Welt wirklich was änderen kann.

  6. Heffner sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ihre Rechnung basiert darauf, dass der Eigenverbrauch mit den Selbstkosten bewertet wird. Doch dies ist seit 01.01.2015 nicht mehr erlaubt. So steht es auf Seite 10 des Schreibens „Hilfe für Photovoltaikanlagen“ vom bayerischen Landesamt für Steuern (siehe http://www.finanzamt.bayern.de/Informationen/Steuerinfos/Weitere_Themen/Photovoltaikanlagen/Hilfe_fuer_Photovoltaikanlagen_2015-02.pdf).

    Oder verstehe ich das falsch? Es wäre gut, wenn Sie hierzu einen Kommentar abgeben könnten.

    Viele Grüße,
    Alexander Heffner

    • admin-aho sagt:

      Vielen Dank für die gute Frage!
      Ganz wichtig ist es, zu verstehen, dass Umsatzsteuer und Ertragssteuer voneinander vollkommen unabhängig zu betrachten sind. Die von Ihnen zitierte Stelle bezieht sich auf die Umsatzsteuer (Option Regelbesteuerung)! Auf den Eigenverbrauch muss Umsatzsteuer ans Finanzamt abgeführt werden und hierfür gilt als Bemessungsgrundlage der (Netto-)Strompreis des Energieversorgers für den Reststrombezug. Dies ist im Tool so berücksichtigt.
      Die Logik der Ertragsteuer ist, dass die Eigenentnahme weder zu einem Gewinn, noch einem Verlust für das Unternehmen führen soll. Die Eigenentnahme soll gewinnneutral sein. Daher sind für die Ermittlung des Ertrags (=Gewinn) die Kosten anzusetzen, die für die Herstellung tatsächlich anfallen (Selbstkosten). Alternativ DARF bei der Eigenentnahme aus Vereinfachungsgründen auch der gleiche Bemessungswert wie bei der Umsatzsteuer angewendet werden. Dies ist für PV-Betreiber aber in der Regel wirtschaftlich vollkommen unsinnig, da dieser Wertansatz praktisch immer viel zu hoch ist und man somit ggf. zu viel Steuern zahlen würde.

      Fazit: ganz wichtig ist es, Umsatz- und Ertragssteuer immer ganz sauber auseinander zu halten. Bei beiden Steuerarten kann der PV-Betreiber unabhängig voneinander die Steuerpflicht „steuern“: Bei der Umsatzsteuer durch Wahl der Kleinunternehmerregelung (soweit der PV-Betreiber diese Wahl treffen darf, z. B. Umsatzgrenze < 17.500 Euro/a) und bei der Ertragssteuer z. B. durch Wahl der Komponenten: hochpreisige Komponenten führen steuerlich gesehen zur "Liebhaberei" (= keine Ertragssteuer), sehr billige Komponenten können dazu führen, dass beim Verkauf des Stroms an den Netzbetreiber nach EEG Gewinne entstehen KÖNNEN. Damit es nicht falsch verstanden wird: auch PV-Anlagen, die steuerlich als "Liebhaberei" gelten (sog. negative Totalgewinnprognose) sind finanziell trotzdem attraktiv aufgrund der Stromkostenersparnis: nur Erträge können besteuert werden, dauerhafte Verluste werden vom Finanzamt abgelehnt ("Liebhaberei"), aber private EINSPARUNGEN können nicht besteuert werden. (Man muss ja schließlich auch keine Steuern zahlen, wenn man das Licht ausschaltet und Strom spart.) 🙂

  7. Präger sagt:

    Hallo zusammen,

    Ich habe Ihr tool erworben und die Berechnung beim Finanzamt eingereicht. Es war deutlich, dass kein Gewinn erzielt werden kann.
    Nun erhalte ich die Rückmeldung, dass auf die Abgabe der Steuererklärungen mit Gewinnabrechnung in den ersten fünf Jahren nicht verzichtet werden kann.
    Danach soll überprüft werden, ob eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt.

    Was kann ich noch tun? Ich dachte, dass die Darlegung so ausreichend sei und anerkannt würde?

    Danke.

    Gruss
    M. Präger

    • Guten Tag,
      bei uns das Gleiche.
      Es kümmert dort keinen was man einreicht oder was
      man mühevoll und wohl wahrheitsgemäss ausgerechnet hat.
      Vorschrift ist Vorschrift und es gibt keine Ausnahmen
      sowie bisher keine Dienstanweisung.

      Das ist nicht nur schade, sondern über die Masse hinaus ärgerlich.
      Wir sind nicht nur wütend über die ständig sinkende Einspeisevergütung,
      die Streichung der Zulage für den Selbstverbrauch und ERSTRECHT
      über diesen ganzen unnützen Zettelkram wegen NICHTS (Ertrag/dicken GEWINN)
      plus dem Allerschlimmsten:
      Die Besteuerung des Eigenverbrauchs für die selbstfinanzierte Anlage
      für die man von der Bank NICHTS an Kredit bekommen hat und sehen
      musste woher es kommt. (Privatkredit zu etwas höheren Konditionen).
      Diese unsäglichen Machenschaften die UST abzuziehen bei Selbstverbrauch und auch noch die Anrechnung als EINKOMMEN, sodass
      man wenn man all seinen selbsterzeugten Strom komplett selbst verbrauchen würde, nichtmal ein „Einkomen“ daraus hätte, was sich als Zahlung der Vertragspartners auf dem Konto manifestiert, nein, man hat dann ein theoretisches Einkommen wofür man im Extremfall auch noch Steuern abdrücken darf! Das ist eine Schande wie dieses Land mit den Leuten umgeht, die GUTES tun mit ihrem eigenen Einsatz. Ok, nicht dass es Selbstständige nicht schon lange so sehen würden, aber bei einer PV Anlage so einen Heckmeck zu machen und die Sachen von den Leuten hier nicht anzuerkennen, ist so dermassen erbärmlich…Ich muss jetzt aufhören. Sorry falls die Formatierung hier nicht stimmt. Ist mein erster Beitrag.

      Ich verstehe nur nicht, wie es gehen kann dass es wohl einige Finanzämter akzeptieren, andere nicht. Das ist doch zum Haare ausraufen! Bei uns ginge es eigentlich nur um die Einkommensteuer und „wir“ haben..zum Glück (wie sich das anhört) entweder nichts, oder viel zu wenig, als dass wir so viel Strom selbstverbrauchen könnten wie wir überhaupt produzieren, um in den Bereich von Einkommensteuer dafür zahlen zu müssen (Rentner und Unfallrentner mit geringem Einkommen). Aber: zählt alles nix, man is durch diese Kappung der Anlage auf 70% auf Gedeih und Verderb „Unternehmer“, egal ob man in 20 Jahren nur 10 cent einnimmt oder nicht.

      Ich höre jetzt wirjklich auf. Aber ich bin wohl nicht alleine mit meinem Leid…Viel Glück uns Allen. Ggf. tut sich wegen den Stromspeichern ja etwas…habe da sowas…gehört…(derweil dann halt mit Econamic Grid weiterfuhrwerken, was ja auch schon was feines ist…generell)

      Schöne Pfingsten noch an Alle und danke an den Solarverein für all die Mühe und den Einsatz!

      Gruss
      M. Müller

  8. Heinz E, Neumüller sagt:

    Wichtig für die, die schon Unternehmer sind und folglich die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen können:
    Wenn man die PV-Anlage auf Eheleute oder zusammen mit einer anderen Person errichtet, ist die Personengemeinschaft ein eigener Unternehmer (z,Bsp. eine GbR oder eine Miteigentümergemeinschaft), die als eigener Unternehmer im Sinne des UStG anzusehen ist und die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen kann.

    Heinz E. Neumüller

    • admin-aho sagt:

      Bitte dabei beachten, dass PV-Betreiber (also z. B. die „Eheleute GbR“) und Strombezieher identisch sein müssen, damit es „echter“ Eigenverbrauch ist für den die EEG-Umlage-Befreiung gilt. D. h., ggf. ist beim Stromlieferanten der Rechnungsempfänger entsprechend zu ändern. Lt. „Hilfe für Photovoltaikanlagen“ des Finanzamt Bayern Kap. III, Abschnitt 7 (Seite 11 unten f.) müssen auch für den Vorsteuerabzug PV-Rechnungsadressat und EVU-Vertragspartner identisch sein!

  9. D.Rauch sagt:

    Hallo,

    Auch bei mir möchte das FA trotz der Beispielrechnung die Liebhaberei nicht von vorne herein anerkennen. Scheint sich aktuell zu ändern, wenn ich auf das Datum der vorigen Kommentare schaue.

    Gruß
    D.Rauch

    • admin-aho sagt:

      Die eifrigen Finanzbeamten schädigen den Fiskus! 😉
      Und sorgen bei den PV-Betreibern, die keine Gewinnerzielungsabsicht haben für steuermindernde Verluste. 🙂

      Also: auch wenn es im Einzelfall ärgerlich ist, dass Sie nun einige Jahre lang Einnahmen-Überschuss-Rechnungen machen müssen: zumindest werden Sie dann mit zusätzlicher Steuerersparnis belohnt.

      Ich denke, ich werde das Exceltool demnächst um eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung für die ersten paar Jahre ergänzen…

      Andreas Horn.

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