Fridays4Future Freising: Redebeitrag am 20.09.2019

Liebe junge Leute,

danke, danke, danke!

Ich bin so dankbar, dass ihr da seid!

Zwei Tage nach meinem 17. Geburtstag im Jahr 1986 flog das Atomkraftwerk Tschernobyl in die Luft! Die radioaktiv verseuchten Wolken haben sich über meiner Heimatstadt Augsburg abgeregnet.

Das hat mich geprägt. Ich habe seitdem nach Möglichkeiten gesucht, Natur und Umwelt – ja die ganze Welt – ein Stück besser zu machen. Manches haben wir geschafft, aber noch viel zu wenig und zu langsam.

Jetzt seid ihr da und schreit es hinaus: unser Raumschiff Erde ist durch die Rücksichtslosigkeit seiner Bewohner schwer beschädigt!

Wir rebellieren gegen unsere eigene Auslöschung und wollen ganz schnell eine drastische Wende einleiten!

Dank euch allen sind wir viele, sodass unsere Stimme nicht mehr überhört werden kann! Was ihr macht ist wichtig und großartig!

Ich bringe euch ein ermutigendes Beispiel, wie normale Bürger – Jugendliche und ältere gemeinsam – die Welt verändern können.

Vor genau 30 Jahren hatten einige junge Leute hier in Freising einen Traum: Sie wollten mit einem eigenen Solarauto an der berühmten Solarrally „tour de sol“ in der Schweiz mitfahren. Damals gab es noch keine Elektroautos! Es gab keine Photovoltaikanlagen, keine Handys. Die kleine Truppe hat angefangen, ein Vespadreirad umzubauen mit Elektromotor, und Bleiakkus. Aber die Solarmodule waren klein und unendlich teuer: die kleine Gruppe brauchte dringend Hilfe!

Daher haben sie einen Verein gegründet und mit Infoständen – hier auf diesem Platz – die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt angesprochen. Einige konnten sie für den Traum von Solarenergie begeistern und sie haben Mitstreiter gefunden: jeder konnte etwas einbringen: Wissen, Spenden, handwerkliches Geschick, Engagement – und gemeinsam haben sie es geschafft! Das selbst gebaute Solarmobil hier aus Freising war bei der Tour de sol dabei und hat sogar einen Sonderpreis bekommen!

Und der Virus von Sonnenkraft hat weiter gewirkt: es kamen immer mehr Menschen zusammen, viele wurden bewegt, mit Selbstbaukursen Solarkollektoren selber aufs Dach zu schrauben.

Und ein – zwei Dutzend Aktive haben Hilfe von der Politik gefordert:

1993 haben sie den Freisinger Stadtrat überzeugt, den Freisinger Solarpfennig zu beschließen. Ja, die Freisinger Bürger mussten 0,01 Pfennig pro Kilowattstunde mehr zahlen, damit mutige Vorkämpfer Photovoltaikanlagen bauen konnten. Die Anlagen waren damals mit rund 1000 € pro Quadratmeter noch sehr teuer. Der Strom wurde ins Netz eingespeist und anfangs mit zwei Mark pro Kilowattstunde vergütet, sodass das Geld für die Investitionen nach 10-20 Jahren wieder hereingekommen ist. So wurde 1993 hier in Freising die erste Fotovoltaikanlage in ganz Deutschland mit diesem Konzept der kostendeckenden Vergütung gebaut. Das Ziel war damals Fotovoltaik durch die Massenfertigung preiswert zu machen. Und dieses Ziel wurde erreicht: Neue Solarkraftwerke produzieren heute Strom weltweit billiger als neue Kohle oder Kernkraftwerke und kosten weniger al 100 €/m2.

In Freising wurde ein Samenkorn gesät und hat sich über Bayern und Deutschland ausgebreitet. Acht Jahre später war der Freisinger Solarpfennig Bundesgesetz: Ihr kennt wahrscheinlich das EEG, das zwischen dem Jahr 2000 und 2010 zu einem Boom bei den erneuerbaren Energien geführt hat.

Seit 2009 wurde dieser Boom von der Bundesregierung gestoppt, um die alte RWE mit ihren Kohle und Atomkraftwerken vor der Pleite zu retten. Dafür wurden zum Beispiel 80.000 Arbeitsplätze in der damals noch jungen Solarbranche geopfert, und einfach plattgemacht.

Zum Glück war der Samen aus Freising und Deutschland bereits auf China und die Welt übergesprungen. Während die deutsche Regierung die erneuerbaren Energien zurückgestutzt hat, hat China seine erneuerbaren Energienbranche weiter gefördert. China hat allein in den beiden letzten Jahren jeweils so viel Fotovoltaik neu zugebaut, wie in Deutschland seit 30 Jahren insgesamt vorhanden ist: rund 50 GW. Es gibt also Hoffnung!

Ihr seht: Freising hat schon mal mitgeholfen, die Welt zum Guten zu verändern!

Jetzt seid ihr dran, für eure Träume einzustehen! Nehmt es in die Hand! Und sucht euch Verbündete! Es gibt viele unter den älteren, die eure Träume auch träumen, und die mit viel Wissen und Erfahrung helfen wollen. Findet sie! Ihr seid nicht allein! Sonnenkraft Freising unterstützt euch!

Noch ein Wort zum Thema Klimakabinett.

Nach allem was ich bisher gehört habe, bleiben die Maßnahmen weit hinter dem zurück, was aus wissenschaftlicher Sicht für die Einhaltung der Paris-Ziele erforderlich wäre. So soll zum Beispiel der Fotovoltaikausbau um 1 GW pro Jahr erhöht werden. Das mag nach viel klingen, ist aber um einen Faktor zehn zu wenig: es werden ca. 10 GW pro Jahr nötig.

Wenn das Klimakabinett nicht in der Lage ist, das umzusetzen, was die klügsten Wissenschaftler für die Rettung des Planeten, für ein gutes gesundes (Über-)Leben für notwendig erachten, wann muss das Klimakabinett abdanken!

Redebeitrag für Fridays for Future Freising am 20.09.2019

Dr. Andreas Horn, Sonnenkraft Freising e. V.

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